Die Bundesfestung

Damals und heute

Die Bundesfestung Ulm wurde zwischen 1842 und 1859 als zentraler Waffenplatz des Deutschen Bundes in Süddeutschland erbaut. Die Erfahrungen aus den Napoleonischen Kriegen veranlassten die deutschen Staaten ab 1815, ihre Westgrenzen durch die fünf Bundesfestungen Luxemburg, Mainz, Landau, Rastatt und Ulm zu sichern.

Soldaten und Bürger - Ulm als Garnisonsstadt

Schon in den 1840er Jahren rückten die ersten württembergischen und bayerischen Truppen in die Bundesfestung ein. Später folgten auch Einheiten aus Österreich. In Friedenszeiten betrug die Garnisonsstärke bis zu 5.000 Soldaten. Zu den bekanntesten Einheiten zählten das »Pionierbataillon 13« in Ulm und das ab 1858 in Neu-Ulm stationierte 12. bayerische Infanterieregiment, die so genannten »Zwölfer«. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Ulm eine der größten Garnisonsstädte Deutschlands.

Der Bau der Bundesfestung

Am 18. Oktober 1842, dem Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, begannen die Bauarbeiten auf der Wilhelmsburg. Bis zu ihrer Fertigstellung im Jahr 1859 arbeiteten mehrere Tausend Maurer, Zimmerleute und Schanzer an der Festung, die rund 16,5 Millionen Gulden kostete. Das gewaltige Bauprojekt löste einen Wirtschaftsboom aus: Arbeiter aus Württemberg, Sachsen, Tirol und Schlesien strömten in die Donaustädte und trugen ihre Löhne in Mietshäuser und Gaststätten. Ulmer Unternehmen profitierten von der Nachfrage nach Kalkstein und Zement. Die Einwohnerzahl Ulms verdoppelte sich von 17.000 im Jahr 1842 auf 36.000 im Jahr 1890.

Moritz Karl Ernst von Prittwitz und Gaffron (*1795 +1885) war Festungsbaudirektor auf Ulmer Seite.
Moritz Karl Ernst von Prittwitz und Gaffron (*1795 +1885) war Festungsbaudirektor auf Ulmer Seite.
Am 18. Oktober 1844 wurde der gemeinsame Grundstein gelegt. In Ulm im Kehlturm der Wilhelmsburg, in Neu-Ulm im Mauerfundament der Caponniere 4.
Am 18. Oktober 1844 wurde der gemeinsame Grundstein gelegt. In Ulm im Kehlturm der Wilhelmsburg, in Neu-Ulm im Mauerfundament der Caponniere 4.
Theodor Ritter von Hildebrandt (*1791 +1859) leitete den Festungsbau auf Neu-Ulmer Seite.
Theodor Ritter von Hildebrandt (*1791 +1859) leitete den Festungsbau auf Neu-Ulmer Seite.
Die wieder freigelegte Caponniere 4 im Winter 2009
Die wieder freigelegte Caponniere 4 im Winter 2009
Obere Donaubastion

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Ulm eine der größten Garnisonsstädte des 1871 gegründeten Deutschen Reiches. Das Reduit der Oberen Donaubastion war schon damals eines der Schmuckstücke der Festung und zusammen mit der Wilhelmsburg, dem Unteren Donauturm und der Pionierkaserne beliebtes Postkartenmotiv der zahlreichen in Ulm stationierten Soldaten.

Obere Donaubastion und Schillerstraße als Postkartenmotiv um 1905
Obere Donaubastion heute
Die Stadterweiterung um 1900

Mit Erfindung neuer Artilleriegeschütze war das Festungskonzept schon während der 1860er Jahre überholt. 1899 erwarb Ulm den Großteil der Festungsanlagen und schleifte die Mauern. Die Stadterweiterung nach Westen konnte beginnen. Neu-Ulm folgte 1906 und brach die ersten Anlagen im Osten ab. Die Glacisanlagen der beiden Städte, einst militärische Sperrbezirke, wurden den Bürgern als Spazierwege freigegeben.

Das Ehinger Tor kurz vor dem Bau der Bismarckstraße, die heute über den Graben der ehemaligen Bundesfestung führt.
Das Blaubeurer Tor um 1905
Die Hauptumwallung wird zum Korsett

Die entstehende Industrie profitierte vom Festungsbau, die Stadt Ulm hingegen wurde durch die Festungsmauer an ihrem Wachstum gehindert. Denn vor der Hauptumwallung durften keine Gebäude errichtet werden, um feindlichen Truppen bei einem möglichen Angriff keinen Schutz zu bieten. Diese Eischränkungen ließen die Grundstückspreise an den Wällen und vor der Festung ins Bodenlose fallen. Daher forderte der Ulmer Gemeinderat schon 1866, sieben Jahre nach ihrer Fertigstellung, die Auflösung der Festung.

Blick von Südwesten auf die Bundesfestung Ulm um 1857. Im Vordergrund Soldaten und eine Ziegelei. Dahinter die Obere Donaubastion.
Die Festung als Korsett: Blick vom Wohnhaus des Unternehmers Schwenk auf seine Gartenanlage vor und nach dem Bau der Festungsmauer, um 1846.

Das rechte Donauufer war in den Planungen der Festungsbaumeister als militärischer Brückenkopf vorgesehen. Dessen Hauptumwallung wurde so umfangreich konzipiert, dass sich darin eine Stadt entwickeln konnte. 1869 erhielt Neu-Ulm vom bayerischen »Märchenkönig« Ludwig II. das Stadtprivileg.

Plan der Bundesfestung Ulm nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1859 mit Hauptumwallung und Außenforts
Übersichtskarte 2009 der erhaltenen (blauen), der leicht veränderten (grünen) und der nicht mehr erhaltenen (roten) Teile der Bundesfestung Ulm/Neu-Ulm
Die Festung in den Weltkriegen

In den Jahren vor 1914 wurden mehrere Infanteriestützpunkte als vorgeschobene Verteiigungslinie errichtet. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war das Zeitalter der Festungen unwiederbringlich vorüber.

Zwischen 1933 und 1935 bestand im Fort Oberer Kuhberg ein Konzentrationslager, in dem Oppositionelle des NS-Regimes inhaftiert waren. Darunter der sozialdemokratische Politiker Kurt Schumacher (*1895 +1952), der nach 1945 maßgeblich am Wiederaufbau der SPD beteiligt war. Heute befindet sich im Fort Oberer Kuhberg eine Gedenkstätte.

Im Zweiten Weltkrieg dienten viele Werke der ehemaligen Bundesfestung als Luftschutzbunker für die Bevölkerung. Unternehmen  verlagerten ihre Produktion in die Festungsanlagen und beschäftigten dort tausende Zwangsarbeiter.

Fort Oberer Kuhberg
Fort Oberer Kuhberg, Reduit
Festungsgeschichte seit 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Tausende Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus Osteuropa und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nach Ulm. Die Werke und Kasernen dienten als Flüchtlingslager und Notwohnungen. Erst in den 1960er Jahren wurden die letzten Flüchtlingslager in der ehemaligen Bundesfestung aufgelöst.

Kriegsheimkehrer aus Russland auf dem Weg zur Kienlesbergkaserne, 1949
Fort Albeck Mitte der 1960er Jahre
Die Jugend übernimmt die Kasematten

Zur gleichen Zeit entwickelte sich in Ulm eine rege Jugendszene, die die ungenutzten Werke der ehemaligen Bundesfestung bezog. Am Gaisenberg entstand 1963 der legendäre Jazzclub »Sauschdall«. In den 1970er Jahren entstanden der »Club Action« am Kienlesberg oder das »Studentencafé« in der Unteren Gaisenbergbastion. Auch die Donautürme und die vielen Außenforts werden noch heute von Jugendgruppen und Vereinen genutzt.

Party im unteren Donauturm 2008
Unterer Donauturm - genannt Roter Turm
Die Glacisanlagen von Ulm und Neu-Ulm - Erbe der ehemaligen Bundesfestung

Ulm und Neu-Ulm verfügen heute über zahlreiche Grünflächen mitten in der Stadt. Diese Glacisanlagen sind ein Erbe der ehemaligen Bundesfestung und zeichnen den Verlauf der ehemaligen Hauptumwallung nach: In Ulm erstrecken sie sich von der Oberen Donaubastion im Westen über die Wilhelmsburg im Norden bis an den Unteren Donauanschluss im Osten der Stadt. Auch in Neu-Ulm ist das Glacis eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt:
Spazierwege und Spielplätze, kulturelle Veranstaltungen und Biergärten laden Bürger und Besucher zu Erlebnisreisen in die Vergangenheit der Bundesfestung ein.

Die Glacis-Anlagen...
...in Neu-Ulm
Infoflyer der Stadt Ulm
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